Das wichtigste Kriterium für reversiblen, wörtlich übersetzt umkehrbaren Haarausfall ist, dass die Haare zwar ausfallen, die Haarfollikel dabei jedoch intakt bleiben. Diese Art des Haarausfalls, bei dem das Haarwachstum lediglich gehemmt ist, betrifft sowohl Männer als auch Frauen.

Die gute Nachricht ist, dass die Auslöser bei beiden Geschlechtern nach einiger Zeit wieder abklingen und die Haare wieder wachsen. Ein reversibler Haarverlust ist somit glücklicherweise keine lebenslange Erscheinung.

Wie äußert sich ein reversibler Haarausfall?

Jeder Mensch, ob Frau oder Mann, verliert pro Tag bis zu 100 Haare. Werden es über einen längeren Zeitraum mehr, fällt dies zumeist beim Haarewaschen oder Kämmen auf. Im Laufe der Zeit nimmt die Haardichte soweit ab, dass die Kopfhaut durch die Haare schimmert.

Da diffuser Haarverlust zumeist schleichend beginnt, wird er von den Betroffenen erst dann wahrgenommen, wenn sich der Haarschopf nicht mehr so voll wie früher anfühlt. Manchmal weist auch der Friseur auf die schwindende Haarpracht hin.

In den seltensten Fällen führt ein reversibler Haarausfall, wie etwa im Zuge einer Chemotherapie, zur vollständigen Glatzenbildung. Zudem ist die Beeinträchtigung nicht lokal begrenzt, wie beispielsweise bei Geheimratsecken oder bei einer Tonsur, sondern betrifft das gesamte Haupthaar.

Was sind die häufigsten Ursachen?

Reversibler Haarausfall ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern immer ein Symptom dafür, dass mit dem Körper etwas nicht stimmt. Die Gründe für den Haarverlust sind vielfältig, sodass die Betroffenen die jeweilige Ursache häufig nicht mit dem schmerzlichen Verlust ihrer Haare in Verbindung bringen.

So kann beispielsweise im Rahmen einer strengen Diät und der damit einhergehenden Gewichtsreduktion diffuser, reversibler Haarausfall auftreten. Aufgrund des vorübergehenden Nährstoffmangels fallen die Haarfollikel vorsorglich in eine verlängerte Ruhephase, die bei ausreichender Nährstoffzufuhr vorübergeht. Weitere Ursachen sind:

  • Krankheiten, wie Schilddrüsenprobleme, Diabetes, Infektionskrankheiten (z. B. Typhus oder Syphilis), chronische Darmerkrankungen, Krebserkrankungen
  • akute körperliche oder seelische Stresssituationen, Schock
  • Mangelernährung, einseitige Ernährung, Eisenmangel
  • Einnahme bestimmter Medikamente, wie Chemotherapie, Blutverdünner, Bluthochdruckmedikamente, Schilddrüsenhormone, Antibiotika
  • Strahlentherapie bei Tumorerkrankungen

Im Rahmen hormoneller Umstellungen, beispielsweise unmittelbar nach der Geburt, entwickelt sich bei manchen Müttern ein reversibler Haarverlust. Auch Frauen, die die Pille an- oder absetzen oder in die Wechseljahre kommen, bemerken häufig, dass sie plötzlich viel mehr Haare, als sonst verlieren.

Welche Diagnosemöglichkeiten gibt es?

Ganz gleich, ob Sie eine Ahnung haben, warum Ihnen die Haare ausfallen oder nicht: Sobald Sie bemerken, dass Sie über einen längeren Zeitraum (zwei bis vier Wochen) überdurchschnittlich viele Haare verlieren, sollten Sie einen Facharzt (Dermatologen) aufsuchen und Ihre Situation so genau wie möglich schildern.

Nur die genaue Diagnose und die darauf abgestimmte Behandlung stellen sicher, dass sich Ihre Haarfollikel wieder erholen und aus dem temporären Haarausfall kein dauerhafter Zustand wird!

Zur Ursachenbestimmung wird der Arzt als erstes Fragen zur Lokalisation und Dauer des Haarausfalls, zu aktuellen Krankheiten, Ihrem Lebensstil sowie weiteren körperlichen oder seelischen Beschwerden stellen. Diese sogenannte Anamnese geschieht sehr ausführlich und ist ein wichtiger Schritt in Richtung Diagnose. In Vorbereitung auf den Arztbesuch ist es sinnvoll, sich im Vorfeld zu folgenden Punkten Gedanken zu machen:

  •  Besteht oder bestand eine internistische Erkrankung, eine Infektion, oder eine Autoimmunkrankheit?
  •  Welche Medikamente haben Sie in den letzten Monaten eingenommen?
  •  Gibt es in der Familie Personen, die unter erblich bedingtem Haarausfall, kreisrunden Haarausfall oder einer anderen Form des Haarverlusts leiden?
  •  Welche Ernährungsgewohnheiten haben Sie? Machen Sie aktuell eine Diät oder haben Sie ihre Ernährung in letzter Zeit umgestellt?
  •  Nehmen Sie die Pille, haben Sie vor Kurze ein Kind geboren oder spüren Sie seit einiger Zeit Wechseljahressymptome?
  •  Wie häufig waschen Sie sich die Haare und welche Haarpflegemittel benutzen Sie?
  •  Leiden Sie unter Stress?
  •  Haben Sie vor einiger Zeit einen Schicksalsschlag oder Schock erlitten?

Nach der Anamnese folgt die klinische Untersuchung. Hierzu untersucht der Arzt Ihre Kopfhaut, die Struktur Ihrer Haare, den Haaransatz und den Zustand der Haarfollikel. Mit einem “Zupftest” stellt er fest, wie fest Ihre Haare in der Kopfhaut sitzen. Eine Blutuntersuchung in Hinblick auf den Hormonstatus, den Eisenwert, den Blutzuckerspiegel und weitere Parameter schließt die Untersuchung ab.

Wie wird reversibler Haarausfall behandelt?

Anhand der Untersuchungsergebnisse kann der Experte eindeutig feststellen, ob es sich um einen erblich bedingten oder einen diffusen, umkehrbaren Haarausfall handelt. Steht Letzteres fest, richtet sich die Therapie stets nach der Ursache.

So wird Eisenmangel mit einem Eisenpräparat behandelt, ein medikamentös bedingter reversibler Haarverlust bessert sich durch Verändern der Medikamentenzusammensetzung. Möglicherweise wird der Arzt zu einer gesünderen Ernährung, weniger Stress, Entspannungsübungen, mehr Schlaf oder einer Psychotherapie raten.

Alle Therapieansätze sind darauf ausgerichtet, dass sich die Haarwurzeln erholen und die Haare innerhalb der nächsten drei bis sechs Monate wieder normal nachwachsen.

Gibt es Mittel, die den Haarwuchs fördern?

In diesem Punkt gehen die Meinungen der Experten auseinander. Viele halten eine zusätzliche Therapie für nicht erforderlich. Andere meinen, dass Präparate, wie Biotin, Folsäure, Pantothensäure, oder Zink im Einzelfall dazu beitragen, die Haare schneller und kräftiger wachsen zu lassen.

Manche Betroffene versuchen auch Haarwuchsmittel oder setzen auf Nahrungsergänzung. Da reversibler Haarverlust bei jeder Person anders verläuft, ist eine allgemeingültige Empfehlung nicht möglich. Fakt ist, dass die Beseitigung der zugrunde liegenden Ursache für den Heilungsverlauf und somit für das gesunde Wachstum der Haare maßgeblich ist.

Fazit

Von diffusem, reversiblem Haarverlust sind Frauen ebenso betroffen, wie Männer. Reversibler Haarausfall ist keine Krankheit, sondern das Symptom einer gesundheitlichen Belastung oder die Folge einer Erkrankung.

Die Prognose, dass die Haare nach der Ursachenbeseitigung wieder wachsen, ist sehr gut. Nach der erfolgreichen Behandlung des zugrunde liegenden Problems sind die Haare bei den meisten Betroffenen innerhalb eines Jahres vollständig nachgewachsen.

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